Archiv: Basch #24 – „Dabei sein ist Pflicht, Solidarität ist eine Waffe.“

PARTECIPARE E‘ UN DOVERE, LA SOLIDARIETÀ UN‘ ARMA
„Dabei sein ist Pflicht, Solidarität ist eine Waffe.“
Mit diesen Worten zeigen die fioi (venezianisch für Jungs) von Gate 22 VeneziaMestre, worum es ihnen in diesen Tag geht:
Ihrem Freund Zizza den Rücken stärken, ihn aus dem Knast holen und Geld für den anstehenden Prozess sammeln.

Seit etlichen Jahren gibt es Kontakte zwischen der St.Pauli- und VenziaMestre-Fanszene. Noch zu Zeiten der Ultras Unione entstanden Freundschaften festigten sich durch die Antira-Turniere in Hamburg und das daraus entstandene Alerta!-Netzwerk. Gate22 war lange Zeit eine der treibenden Kräfte in diesem Zusammenschluss von radikalen und antifaschistischen Fangruppen. 2011 richteten die fioi das Alerta!-Turnier aus und verliehen dem Ganzen einen individuellen Charme, indem sie es mit dem Erinnerungsturnier an Francesco el Bae, einen ihrer historischen Vorsänger und politischen Kämpfer der ersten Reihe, verbanden.

Innerhalb der Fanszene von VeneziaMestre gibt es seit etlichen Jahren einen Konflikt. Die Vecchi Ultrà sind eine Gruppe, die sich im Laufe der frühen 2000er Jahre von einem akzeptierten Teil der Fanszene zu einer rechten Schlägertruppe entwickelt hat. Eine Pestbeule, die unsere Freunde aus der Lagunenstadt nicht mehr los geworden sind und die nun drauf und dran ist nicht nur die kritische Fankultur zu zerstören, sondern auch das Leben eines guten Freundes. Dieser Umstand ist sehr bitter, denn die fioi von Gate22 haben mit ihrem Umzug 2006 aus der Kurve in den Randblock der Tribüne einen für italienische Verhältnisse höchst ungewöhnlichen Schritt gewagt, der ihre Reife und Besonnenheit zeigt. Statt sich tagtäglich am physischen Konflikt in der gleichen Kurve aufzureiben und den Nachwuchs im Kampf mit alten Kadern zu verheizen, wollten die fioi lieber einen Bereich im Stadion schaffen, der frei und rebellisch ist.

Der Klügere gibt nach, heißt es so schön. Doch was ist, wenn Dein gegenüber einfach zu dumm ist? Wenn er einfach nicht verstehen will? Die Vecchi Ultrà haben in den letzten Jahren nichts eigenständiges auf die Beine gestellt. Sie haben lediglich durch Einschüchterung und direkte Gewalt gegen Einzelpersonen versucht ihre ungerechtfertigte Machtposition auszubauen. Im Frühjahr eskalierte der Konflikt in Venedig und bei Auseinandersetzungen verletzt ein Vecchi Ultrà einen der fioi mit einem Messer!
Die Auflösung der Vecchi Ultrà im Sommer 2012 änderte nichts an der angespannten Situation und beim Heimspiel gegen Mantova am 21. November 2012 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den fioi vom Gate22 und den Vecchi Ultrà.
Ein paar der fioi werden in Gewahrsam genommen, unser Freund Zizza in U-Haft. Tatvorwurf versuchter Totschlag. Die Presse reagiert prompt und stilisiert den für das bürgerliche Verbrechensbild notwendigen Täter. Die Nennung vom vollen Namen, dem Wohnort und der Verweis auf ein früheres Stadionverbot haben nichts mit investigativen Journalismus zu tun, sondern sind reine Hetze und Denunziationsmethoden. Im Onlinebereich von Veneziatoday interpretiert ein Journalist den Vorfall als Auseinandersetzung zwischen extremistischen Gruppen innerhalb der Fanszene von VeneziaMestre. Teile der orange-grünen Fanclubs reagieren daraufhin mit platten Gewaltdistanzierungen, die das Problem der rechten Schläger im eigenen Stadion ignorieren.

Die Vorstellung, dass ein Mensch wegen diesen dreckigen Faschos im Knast sitzt ist schlimm. Die Vorstellung, dass es sich dabei um einen guten Freund handelt, macht die Sache unerträglich. Zizza ist Mensch, der viele von inspiriert hat. Weil seine Art zu sein gut tut, weil er ohne Attitüden auskommt und einfach ehrlich und direkt ist. Zizza ist einer auf den wir uns immer verlassen können, der bereit ist für seine Ideale einzustehen. Zizza ist keiner, der den Kopf einzieht, sondern einer, der nach vorn schaut und die Sachen anpackt. Einer, der die Sprache der Straße spricht und in schwierigen Situationen die richtigen Worte findet. Einer, der Leute mitreißt und motiviert ohne sie zu führen.

In einem Brief vom 30. November 2012 bedanken sich Zizzas Eltern für die Nähe, den Zusammenhalt und die Unterstützung in dieser schweren Zeit. Allerdings teilen sie auch mit, dass Zizza nach aktuellen Verfahrensstand mindestens bis Ende Dezember im Knast bleiben muss, bevor er Hausarrest bekommt und bei seiner Familie sein kann.

Zeigen wir Zizza, seiner Familie und den fioi am 28. Dezember 2012 im Knust unsere Solidarität! Alle eingenommenen Gelder gehen direkt an die Familie zur Prozesskostenhilfe.

Für antifaschistische Kurven und für die Freiheit unseres Freundes!

ZIZZA LIBERO! FREIHET FÜR ZIZZA!

ALERTA! St.Pauli