Archiv: Basch #21 – Hintergrundrauschen – JHV Kolumne IV

Werte Leserschaft der basch,
ich begrüße euch zum letzten Mal zu meiner kleinen Kolumne zur diesjährigen Jahreshauptversammlung unseres FC Sankt Pauli. Viele Worte sind geschrieben worden, wir haben die letzte JHV und die Leistungen unseres Präsidiums Revue passieren lassen und die aktuelle Situation bewertet. Nun also steht der Blick in die nahe Zukunft ins Haus, denn wir wollen uns anschauen, welche Anträge wir auf der kommenden Mitgliederversammlung zu erwarten haben.

Vorweg jedoch das wichtigste: am 26. November ist die JHV. Jedes Mitglied des FC Sankt Pauli, das mindestens drei Monate dabei ist, ist stimmberechtigt. Kommt alle dahin, schaufelt euch frei, scheißt auf Omas Geburtstag und bringt eure Stimme im höchsten Gremium unseres Vereins ein!

Ich will versuchen, das ganze nicht zu trocken und dennoch informativ zu halten. Grundlage für die Satzungsänderungsanträge, die sicher eingebracht werden, ist die Übersicht, die Stand 02.11. auf der Homepage unseres Vereins veröffentlicht ist. Für die normalen Anträge gibt es eine solche Übersicht zum Zeitpunkt des Entstehen dieses Textes meines Wissens noch nicht. Glücklicherweise ist man ja gut vernetzt, so dass ein Großteil der zu erwartenden Anträge mir bekannt ist. Allgemein werde ich versuchen mich heute etwas kürzer zu fassen, was vor allem daran liegt, dass ich schon wieder viel zu spät dran bin.

Zwei Satzungsänderungsanträge werden vom Aufsichtsrat gestellt. Beim ersten geht es um den Finanzplan, der vom Präsidium dem Aufsichtsrat vorgelegt werden muss. Der soll nun durch den Antrag dem Aufsichtsrat früher vorgelegt werden, weil die zur Verfügung stehende Zeit als zu knapp empfunden wird. Ein in meinen Augen verständliches Anliegen, weswegen ich wohl für den Antrag stimmen werde. Das dürfte auch die Kontrollfunktion des Aufsichtsrat dem Präsidium gegenüber stärken, was ich nach all den Erfahrungen der letzten Wochen, Monate und Jahre durchaus begrüßenswert finde.

Der zweite Satzungsänderungsantrag des Aufsichtsrates ist etwas prekärer. Hier geht es darum, dem Aufsichtsrat ein Zustimmungsrecht bei Einstellung und Entlassung leitender Angestellter (Cheftrainer, Sportchef, Geschäftsführer) einzuräumen. Dies ist insofern „schwierig“, als dass dem Aufsichtsrat somit effektiv ein Einfluss auf den sportlichen Bereich zu Teil käme. Die originäre Funktion des Aufsichtsrates ist aber lediglich die der wirtschaftlichen Prüfung. Hier genau wird argumentativ vom Aufsichtsrat angesetzt. In der Begründung des Antrags heißt es: „In der Vergangenheit ist es wiederholt vorgekommen, dass der Aufsichtsrat erst unmittelbar vor der beabsichtigten Entlassung eines Cheftrainers informiert wurde. Dabei wurde eine Zustimmungserfordernis vom Präsidium nicht gesehen. Allerdings sind die mittelbaren wirtschaftlichen Konsequenzen einer Entlassung (Aufhebungsvertrag, Neueinstellung eines Nachfolgers) dann in aller Regel sehr wohl zustimmungspflichtig.“ Jüngster und wohl entscheidender Bezugspunkt ist wohl die Posse um die Entlassung Schuberts und die Verpflichtung Frontzecks. An dieser Stelle bin ich mir tatsächlich unsicher. Ich teile zwar die Einschätzung des finanziellen Bezugs, der einer Aufsicht bedürfte, eine faktische Entscheidungsmacht aber sollte dem Aufsichtsrat eigentlich nicht zukommen. Ich tendiere aber dazu, auch diesem Antrag stattzugeben, da ich derzeit jede Reglementierung unseres Präsidiums befürworte. Zu bedenken ist dabei aber, dass das derzeitige Personal nicht für immer gegeben ist. Nicht immer wird der Aufsichtsrat weitestgehend cool, das Präsidium weitestgehend scheiße sein. Es kann auch mal genau anders herum sein, theoretisch zumindest. Hier wäre dann ein Machthebel auf Seiten des Aufsichtsrates eingebaut, der da eigentlich nicht hingehört. Schwierig. Macht euch da auch mal eure Gedanken und wägt klug ab.

Weitere Satzungsänderungsanträge, etwas unspektakulärer, sind die Erhöhung der Mitgliedszahl des Wahlausschusses von 5 auf 6 sowie die Anpassung irgendwelcher Satzungspassagen hinsichtlich des Jahresabschlusses und dessen Zugänglichmachung für die Mitglieder. Beiden Anträgen kann man ohne weiteres zustimmen.

Kommen wir also zu den weiteren Anträgen. Meines Wissens nach bisher nicht als Antrag eingereicht, ist eine Änderung der Tagesordnung. Im letzten Jahr haben wir aus gutem Grund die Ehrungen vorgezogen. Na gut eigentlich aus organisatorischer Not, aber das hatte zwei positive Nebeneffekte: erstens, dass den Ehrungen mehr Gewicht zukam, zuvor waren sie ja der letzte Tagesordnungspunkt und zweitens, dass die Rugby Abteilung, die bekannt für ihre pöbelig-dumme Art ist und dazu neigt gänzlich anderer Meinung zu sein, als die organisierte Fanszene, im Verlauf der Anträge den Saal verlassen hat, weil sie müde wurden. Daraus resultierte ein struktureller Vorteil. Der Antrag zum Aufschub des Gegengeradenbaus hatte nicht allzu schlechte Chancen angenommen zu werden, wäre er nicht zurückgezogen worden. Daher fände ich es schön, wenn mittels Dringlichkeitsantrag (so es keinen ordnungsmäßigen Antrag geben wird) die Tagesordnung entsprechend umgestaltet wird.

Todde und Wolle, also Torsten Vierkant und Wolfgang Helbing haben sich gegenseitig „Stolpersteine“ geschenkt, eigentlich eher Dankessteine. Das liegt zwar schon lange zurück (2007) wurde aber nach einem Bericht beim Lichterkarussell, dessen Aufhänger ein den selben Personen gewidmetes Mosaik in der Ecke zwischen HT und Süd war, einer großen Öffentlichkeit erst bekannt. Hier wird es einen Antrag geben diese Stolpersteine zu entfernen. Begründet werden soll dieser meines Wissens mit der Ähnlichkeit zu den Stolpersteinen, die Opfern des NS gedenken, was als unangemessen empfunden wird. Ich teile die Einschätzung der Ähnlichkeit nicht in dem Maße und hätte anders argumentiert, aber die Entfernung der Steinchen begrüße ich.

Es ist in letzter Zeit in Mode gekommen ist die Praxis von Drittanbietern Tickets zu Fußballspielen zu erheblich erhöhten Preisen im Internet zu veräußern. Auch Tickets unseres FCSP finden sich beim Portal „viagogo“. Beim Vorstadtclub gab es wegen dieses Vorgehens eine handfeste Debatte und der weiteren Nutzung unserer Ticketkontingente, soll mittels eines Antrages dem der Riegel vorgeschoben werden. Alles andere als die Zustimmung zu diesem Antrag ist für mich nicht verständlich. Man kann nicht einerseits gegen den Schwarzmarkt kämpfen und andererseits mit viagogo oder ähnlichem arbeiten.

Wegen der Nordpolloge wird es wohl einen Antrag von Nordsupport geben, derem Materialcontainer einen festen Standort zuzuweisen. Zustimmen! Vom Aktionsbündnis gegen Homophobie & Sexismus ist ein Antrag bezüglich der Erweiterung der Rolliplätze geben. Die sind leider weit unter den Anforderungen der Statuten (180 gefordert, 50 gestellt). Auch hier erklärt sich eine Zustimmung wohl von selbst.

Und dann bleibt da noch das Sicherheitskonzept der DFL, das unsere Gemüter erregte. Entsprechenderweise wird es auch hier einen Antrag geben, das Papier abzulehnen, bei der JHV der DFL am 12.12. dagegen zu stimmen, aus der Kommission auszutreten – letztlich also all das, was schon in der Stellungnahme des Präsidiums in so unglaubwürdiger Weise versichert wurde, durch einen Antrag abgesichert werden. Auch hier ergibt sich zwingender Zustimmungsbedarf.

Bleibt die Frage wie mit unserem Präsidium umgegangen werden soll. Ich hoffe es gibt einen Antrag, der das Präsidium zu einer Rücksprache mit der Fanbasis, sei es über den STFA, den FCSR oder den Fanladen, verpflichtet, wenn es um Themen geht, die uns Fans betreffen. Die jüngsten Erfahrungen zeigen uns den dringenden Bedarf einer solchen Regelung.

Oder sollen wir die 5 hohen Herren einfach loswerden? Einen Abwahlantrag gibt es bisher nicht und die Frist geht von genau diesem Moment an, in 28 Stunden zu Ende. Er bräuchte eine ¾ Mehrheit. Der Aufsichtsrat würde dann das Präsidium kommissarisch im Amt belassen und wäre damit beauftragt einen neuen Präsidenten vorzuschlagen, der dann seine neuen Vizepräsidenten vorschlagen müsste. Dass es in den nächsten 28 Stunden einen solchen Antrag gegeben haben wird, ist nicht zu erwarten und auch bezüglich der Erreichbarkeit einer ¾ Mehrheit ist Zweifel angebracht.

Was uns noch bleibt ist, dass unserem Präsidium oder zumindest einigen Mitgliedern, es irgendwann auf den Geist fällt, dass sie immer alles falsch machen (naja, meistens). Das könnten sie zwar einfach umgehen, indem sie uns fragen, aber das tun sie ja nicht. Zu wünschen wäre es, Mitglieder oder die Gesamtheit des Präsidiums eher heute als morgen los zu werden. Öffentliche Kritik an ihren (Fehl-)Leistungen kann da ein hilfreiches Mittel sein.

Littmann raus! Ach nee…

Wir sehen uns bei der JHV am 26.11.

Bis denn,
Hakan