Archiv: Basch #20 – Hintergrundrauschen – JHV Kolumne III

Grüßt euch doch erst mal,

in den ersten beiden Ausgaben dieser Kolumne kam die Selbstkritik nicht zu knapp und ich habe sowohl positive, als auch negative Resonanz erhalten. Diese Kolumne ist natürlich als Einzelmeinung geschrieben und erhebt keinen Anspruch auf eine wie auch immer geartete Objektivität. Das Thema dieser dritten Ausgabe, die Leistungen der Vereinsführung, allen voran des Präsidiums, bietet nicht den Raum für Selbstkritik und derer ist auch erst mal genug geäußert. Damit wird es heute weniger Konfliktpotential und Reibungspunkte geben, da nur „denen da oben“ ans Bein gepisst wird.

Bei der Rückbetrachtung der positiven und negativen Leistungen unserer Vereinsführung bietet es sich an über die vergangene Jahreshauptversammlung hinauszugehen um ein ganzheitliches Bild zu zeichnen. Es kann wohl vorweggenommen werden, dass auch nach dem Ausscheiden Corny Littmanns aus dem Amt des Präsidenten beim FC Sankt Pauli, der Ärger über die Taten und Tatenlosigkeit des Präsidiums größer war, als die Freude über selbige.

Versprochen ist versprochen und wird doch gebrochen

Anzufangen ist bei den Protesten gegen Entscheidungen der Vereins- und Geschäftsführung noch in der Erstligasaison. Die LED-Laufbanden an den Dächern der Süd- und Haupttribüne, die Existenz einer Stripteaseloge, die Haupttribüne überhaupt mit ihren Doppelstocklogen und dem riesigen Block aus Business Seats, deren Existenz nicht zu einem Rückbau der Business Seats auf der Süd führte, wie es uns einst versprochen war, stießen uns allen bitter auf. Auf der Jahreshauptversammlung wurde, wie schon in der letzten Ausgabe der Basch an dieser Stelle geschrieben, ein entsprechender Rückbauantrag der Business Seats von der Versammlung abgelehnt. Nicht zuletzt wegen der Eingaben des Präsidiums über die Kreditverträge, die so etwas verhinderten. Die Mieter_innen der Süd-BS lehnten das Umzugsangebot auf die Haupttribüne darüber hinaus mehrheitlich ab, zu gut gefiel ihnen die Positionierung in direkter Nähe zum Epizentrum des Supports bei Sankt Pauli. Ein Gefühl, irgendwie „mittendrin, statt nur dabei“ zu sein, ganz das DSF Publikum. Eine Ohrfeige und Ehrung unserer Gruppe zugleich.

Hierbei sei nochmals die unsägliche Sachzwangargumentation angeführt und die Abkehr vom ursprünglichen Finanzierungsmodell, hin zur kreditbasierten Finanzierung, die unseren Verein über Jahrzehnte belastet und stark von sportlichem Erfolg abhängig macht. Hier sei aber auch auf das allgemeine Verhalten unserer werten Führungsetage hinsichtlich Zusagen und Versprechen hingewiesen. Nicht nur der Rückbau der Business Seats Süd wurde uns dereinst zugesagt, schließlich wollten wir auch in die Höhe wachsen und wollen das noch immer. Auch wurde uns damals von Corny ein Raum in der Südkurve zur Lagerung unserer Choreomaterialien versprochen, für den nach Fertigstellung der Südkurve plötzlich der Platz fehlte. Es begann damit eine schier unendliche Posse um diesen Raum, die letztlich zu unserer Mitarbeit in der AG Stadionbau führte, sollten wir nun doch Ersatz in der neu zu erstellenden Gegengerade bekommen. Beim ersten Treffen mit Vereinsverantwortlichen (Gernot Stenger, Michael Meeske, Thorsten Vierkant, Wolfgang Helbing, Sven Brux) im Rahmen der AG Stadionbau, polterte Vierkant sofort drauf los, einen solchen Raum werde es nicht geben. Erst als Stenger sich erbarmte, sich an das Versprechen von damals zu erinnern, konnte der Raum offiziell in die Planung aufgenommen werden. Es folgten viele weitere Gespräche und in vielen Belangen war die Kooperation zwischen dem für den Stadionbau im Präsidium Hauptverantwortlichen Gernot Stenger und der AGSB wirklich gut, nur musste auch nahezu bei jedem dieser Treffen der Raum für USP auf die Tagesordnung gesetzt werden. Es drängte sich nach und nach und vor allem mit fortschreitendem Bau der Gegengerade der Verdacht auf, man hielte die Ultras mit ihrem albernen Raumwunsch hin. Letztlich zeigte sich, trotz diverser Zusagen, der Raum werde definitiv kommen, dass zwar für Polizeiwache und Fanräume alles nötige im Rohbau vorgesehen war, nur an der für den USP Raum vorgesehenen Stelle gab es kein Fundament. Erneuter Hick-Hack, eventuell doch ein Raum in der Südkurve (auf ein Mal?), dann doch wieder Gegengerade und so weiter. Stand heute: „Ihr bekommt euren Raum“, nur baulich ist dahingehend noch nichts geschehen.

Zeitliche Sprünge in der Aufarbeitung des Geschehenen lassen sich leider nicht vermeiden. Wenngleich wir nun bereits in der Gegenwart angelangt sind, soll der Blick nochmals auf die Zeit vor der letzten JHV gerichtet werden. Dort hat es, auch das fand in dieser Kolumne bereits Erwähnung, geheißen, eine Verlängerung mit Susis Showbar würde es nicht geben. Das ganze wurde noch untermauert mit einem Antrag, der die Nackttanzdarbietungen untersagte. Nun gibt es die Loge, in der zwar nicht mehr nackt getanzt wird, immer noch. Das Skandalöse daran ist nicht ein wie auch immer gearteter Sexismus, das ist dann doch etwas komplexer, sondern das wiederholte nicht Einhalten getätigter Zusagen. Haben unsere Präsidenten einfach ein schlechtes Gedächtnis oder hoffen sie darauf, dass wir ein solches haben? Sie lügen uns dreist ins Gesicht.

Des weiteren gab es die Themenbereiche zur Zuordnung der Jugendmannschaften zum wirtschaftlichen oder ideellen Bereich des Vereins und die Anmeldung eines Frauenfußballteams unter der Rugbyabteilung. Alles Themen mit Konfliktpotential und zu deren Lösung es der Intervention von Fans und Mitgliedern auf der letzten JHV bedurfte.

Einen Schritt vor und drei zurück

Das neue Jahr begann durchaus sehr positiv, denn nach den negativen Erlebnissen beim Bullenschweinske Cup, stellte sich unser Präsidium erstmalig vor uns Fans und nahm eindeutig Stellung. Ähnliches hatte beispielsweise die Vereinsführung der Fürther Spielvereinigung getan, nachdem deren Fans in Nürnberg sehr negative Erfahrungen mit der Staatsmacht machen mussten. Wir hatten uns so etwas schon lange gewünscht, etwa nach dem brutalen Überfall der Eutiner BFE auf das Jolly Roger im Rahmen des Schanzenfestes oder zuvor die Schikanen selbiger Polizeieinheit beim Auswärts- und Aufstiegsspiel unserer zweiten Mannschaft in Kiel. Endlich wurde mal von offizieller Seite gesagt, dass man der Meinung sei, die Bullen behandelten Fußballfans nicht immer angemessen. Diese Stellungnahme gab tatsächlich viel Kraft und wir erinnern uns alle noch gerne an die Pressekonferenz diesbezüglich, als Sven Brux sagte: “Wenn irgend so ‘n Nazi da meint, er könnte im Sankt Pauli Block irgendartige Sprüche loslassen, dann muss er auch das Gefühl haben, dass ihm das gesundheitlich womöglich nicht ganz gut tut – anders kann man so ‘ne Attitüde doch gar nicht durchsetzen!”
Ganz gleich, wie man den Aspekt mit den Nazis beim Bullenschweinske Cup bewertet, wichtig war, dass Sankt Pauli in dieser Situation zusammen stand. Die viel zitierten Gräben, sei es zwischen verschiedenen „Fanlagern“ oder zwischen Fans und Vereinsführung, sie waren für einen Moment inexistent. Das gab nicht nur Kraft, sondern spendete vor allem auch viel Hoffnung auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fans und Präsidium. Eine Wohltat nach den kommunikationsarmen Jahren unter Corny Littmann und eine Erlösung nach den vielen enttäuschten Erwartungen bei ähnlichen Situationen in der Vergangenheit. Natürlich hatten wir das Glück, dass unter anderem Sven und Roger die Situation hautnah erlebten und damit, man muss es leider so sagen, der Deskription der Vorgänge in Augen des Präsidiums mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Danach war es das dann aber auch mit den positiven Worten bezüglich dieser Thematik. Stadionverbote, die diesbezüglich auf Antrag der Polizei vom DFB ausgesprochen worden, werden auch am Millerntor durchgesetzt. Hier hätte sich der Vereinsführung die Gelegenheit geboten, sich tatsächlich mal etwas „non established“ zu positionieren und vor allem den großen Worten der Pressekonferenz und Stellungnahme Taten folgen zu lassen. Doch letztlich war das wohl wieder nicht mehr, als heiße Luft und unser Präsidium zeigte einmal mehr, dass sie kaum gewillt sind dahin zu gehen, wo es weh tut.

Strafen und Gerichte

Ebenso enttäuschend war dann, das Akzeptieren der Verbandsstrafe für den Schriftzug „Bullenschweine“ in der zuvor von offizieller Stelle gelobten Choreo vom Spiel gegen die Eintracht aus Braunschweig. Hier offenbarte sich einerseits eine Doppelmoral. Erst ist die Choreo wirklich toll, auf der Vereinshomepage wird sich bedankt – klar, Wasser auf die Mühlen der Vermarktbarkeit – und Ultrà Sankt Pauli ist wirklich total liebenswert. Dann aber erfährt der Club, dass der Spielbeobachter des Verbands das Wort „Bullenschweine“ als respektlose Beleidigung notiert und der DFB dies mit Strafe belegt. Der Verein akzeptiert diese Strafe und sendet damit ein völlig falsches Signal. Man könnte gar argumentieren, dass nach Wortherkunft die Bezeichnung „Bulle“ für einen Polizisten eigentlich ein Kompliment ist und frei übersetzt „kluges Köpfchen“ bedeutet (lt. sinnlosem Wissen der Canuma Blättchen). Doch natürlich war der Schriftzug nicht positiv gemeint. Dennoch, es gibt Gerichtsurteile, die die Möglichkeit einer Berufsgruppenbeleidigung als Straftatbestand ausschließen, es gibt die freie Meinungsäußerung. Und dann gibt’s den DFB, dessen Rechtsverständnis eher dem Pippi Langstrumpf Prinzip folgt: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“
Diese Strafe nicht zu akzeptieren hätte Größe gehabt. Nach der Stellungnahme zum Bullenschweinske Cup, hätte man ein erneutes Zeichen für seine Fans setzen können, doch nichts dergleichen. Man akzeptiert die Strafe, die noch mit einer Gästeblockzündelei im Paket abgewickelt wird (was ein erneuter Beleg der völlig willkürlichen Bestrafungspraxis des DFB ist). Man mag das nun abtun, nur passierte mit dieser Strafe etwas in unserem Club, ein weiteres kleines Versatzstück weg von dem FC Sankt Pauli, der uns so lieb ist. Es wurde zu einem Umdenken aufgerufen. Tapeten mit vermeintlich beleidigendem Inhalt sollten nicht mehr gezeigt werden dürfen. Ein großer Schritt in Richtung Zensur, der eine Zäsur darstellt.

Apropos Banner: Auf der Haupttribüne dürfen, unserer großartigen Vermarktung sei Dank, keine Banner mehr aufgehängt werden, da ist ja nun Werbung. GEILO!

Unsere Vereinsführung freut sich über uns, wenn wir ihnen nützlich sind. Solange die Choreo gegen Braunschweig schön ist, wird sie geehrt, doch mit der Strafe wird die zuvor positiv rezipierte Leistung der Gruppe ins Negative verkehrt. Unser Fahnenmeer ist super zur Vermarktung der Business Seats, nicht nur in der Werbebroschüre auf Fotos, sondern auch bei deren tatsächlichem Verkauf, wenn die Leute sich dort unseretwegen hinsetzen. Wir gefallen aber nur so lange wir keinen Ärger oder Arbeit machen. Ist es zu viel verlangt, die tollen, vermarktungsfördernden Fahnen, Doppelhalter und sonstige Materialien im Stadion adäquat lagern zu können? Offenbar ja. Das ist mehr als enttäuschend, denn es offenbart die mangelnde Fähigkeit Sachverhalte auf der Makroebene zu betrachten, bei lauter Mikroökonomen kann das aber auch irgendwie nicht verwundern.

Christian Bönig sagte mir mal, es gebe für Sankt Pauli keine Fürsprecher mehr beim DFB. Man könne sich nicht mehr so viel erlauben und akzeptiere jetzt lieber kleine Strafen. Es mag richtig sein, dass einige graue Herren in Frankfurt genervt vom FCSP sind, weil dieser unbeugsame Stadtteilverein (haha) sich anmaßt gegen völlig überzogene Strafen vors Sportgericht zu ziehen. Und auch, wenn die Vereinsführung damit das einzig Richtige taten und versuchten eine völlig unverhältnismäßige Kollektivstrafe abzuwenden, bleibt mit dem Versuch die Kosten auf den Becherwerfer weiter zu belasten (das stand zumindest mal im Raum, hier bin ich mir gerade nicht ganz sicher) ein fader Beigeschmack.

Gegen den angestrebten Zuschauerausschluss nach dem Kassenrollenwurf wurde ebenfalls erfolgreich vor das DFB Sportgericht gezogen und eine eher lächerliche Geldstrafe von 50.000 Euro erwirkt. Hier half letztlich, wegen der richterlich festgestellten fehlenden Absicht die Haftpflichtversicherung des Jungen. Gut für den Verein, hier etwas Hilfe beim Zahlen der Strafe zu bekommen. Auch gegen das von der Polizei verfügte Gästefanverbot gegen Hansa Rostock zog unsere Vereinsführung vor Gericht, doch scheiterte man in der ersten Instanz. Die Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht steht noch aus und somit gibt es hier nichts weiter zu berichten.

Es kann durchaus als sehr positiv gewertet werden, dass die gerichtlichen Möglichkeiten in diesen Fällen von unserem Präsidium genutzt wurden, es wäre aber wünschenswert gewesen, wenn diese Courage gegen den überzogenen Terror von DFB und Polizei nicht Einzelfälle geblieben wären, sondern gelebte Überzeugung geworden wäre. Man hätte uns zu Recht beneidet.

Stadionerlebnis: Sicherheit und Verwirrung

Das zuvor angesprochene Problem des mangelnden Fürspruchs kann, böse ausgelegt, zu einem „Seitenwechsel“ geführt haben. Nachdem Bernd-Georg Spies im Sommer auf der Sicherheitskonferenz der DFL seine Unterschrift neben vielen anderen Clubverantwortlichen auf eine „Bekenntnistafel“ setzte, setzte sich Gernot Stenger für in die aus dieser Veranstaltung geborenen Kommission, die ein entsprechendes Sicherheitskonzept entwickeln sollte. Es ist schon an diversen Stellen geschrieben worden, dass das Sicherheitsproblem des deutschen Fußballs eher ein eingebildetes, wenn nicht gar ein vorgeschobenes ist. Die Inhalte des Papiers „Sicheres Stadionerlebnis“ sind beinahe in Gänze untragbar. Ich will das hier, auch aus Platzgründen jetzt nicht ewig ausbreiten, zumal mit der Stellungnahme von Union Berlin die wesentlichen Kritikpunkte am Papier in herausragender Weise angeführt und auseinandergenommen wurden. Daher eine dringende Leseempfehlung an dieser Stelle (googelt das einfach). Stenger als Fanfeind, also? Er sieht das freilich nicht so, die Maßnahmen entsprächen im Großen und Ganzen der Linie, die der FCSP doch ohnehin vertrete. Mir zumindest war es neu, dass der FCSP für eine undifferenzierte Gleichsetzung von Rassismus, Gewalt und Pyrotechnik stünde. Doch so lud man die Fanvertreter zum Gespräch über das Sicherheitspapier, in der Erwartung, man würde über 3-4 Punkte diskutieren müssen, nicht aber, dass das Papier auf solch erbitterten und vor allem fundamentalen Widerstand stoße. Dabei hätte sich das Präsidium das denken können, denn als der Kicker die wesentlichen Punkte des Papiers „leakte“ bestritt jenes Kommissionsmitglied(!) Gernot Stenger, vom Ständigen Fanauschuss darauf angesprochen, von diesem Papier Kenntnis zu haben. Eine dreiste Lüge, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Überhaupt scheint der StFA von Seiten der Vereinsführung wenig bis gar nicht ernst genommen zu werden, so berichten die dort vertretenen Fans immer wieder davon, dass die Gespräche nicht auf Augenhöhe stattfänden und das Präsidium teilweise auch gar nicht zu den verabredeten Gesprächen erscheine.

In Hinsicht auf den Sicherheitskodex ist erwähnenswert, dass sich das Präsidium schon seit geraumer Zeit darum bemüht, von USP eine Gewalt- und Pyroverzichtserklärung unterschrieben zu bekommen, was wir aus verständlichen Gründen per se ablehnen. Die Vermutung, dass beispielsweise die Raumproblematik sich stärker zieht, als Kaugummi, mag vielleicht an der ausbleibenden Unterschrift liegen. Man könnte sich erpresst fühlen…

Noch haben wir diesen Raum, wie gesagt, nicht. Stattdessen haben wir einen Container, der im Zuge des Gegengeraden Neubaus umgesetzt werden musste. Dazu wurden wir zum Stadion bestellt um dann festzustellen, Umsetzung verschoben. Neuer Termin, wieder keine Umsetzung. Und so weiter. Klar, dass man sich da verarscht vorkommt. Und wo wir gerade bei Verarschen und Containern sind. Im Film „Das ganze Stadion“ sieht man ihn noch, den alten Polizei Einsatzcontainer, der nach der Fertigstellung der Haupttribüne in die Ecke zwischen dieser und der Süd zog – bzw. dessen Inhalt. An der Stelle hatte auch der Fanladen Interesse seinen Container zu platzieren, was diesem verwehrt wurde. Aus Platzmangel. Kurze Zeit später stand dort dann die im „kultigen“ Favela-Style aufbereitete Loge der Wellendesigner und Werbeagentur „Nordpol“. Schönen Dank! Geld scheint unserer Vereinsführung weit über Fankultur zu gehen. Auch jetzt soll diese Loge wieder ihren Platz zwischen Gegengerade und Nordtribüne bekommen. Dafür wird dann auch der vorletzte noch erhaltene und von uns doch irgendwie ins Herz geschlossene Flutlichtmast fallen. „Kultig“.

In dem ganzen Containerdesaster an vorderster Front war der allseits geschätzte Thorsten Vierkant. Dem Stadionchef scheinen keine Grenzen gesetzt zu werden, keine Leine angelegt zu werden, so sehr er auch die Axt im Walde mimt. So mancher munkelt er habe exklusives Wissen über diverse Leichen in den Katakomben unseres FC. Vierkant durfte den Verkauf der Sitzschalen beim Gegengeradenabriss völlig verkacken, er durfte sich zusammen mit Busenfreund Helbing gegenseitig Gedenksteine schenken, die vor die Süd gepflanzt wurden und sich mit selbigem in Form eines Mosaiks an der Kita verewigen lassen. Grazie mille!

Als Stadionchef ist er natürlich in allen den Stadionbau betreffenden Belangen direkt beteiligt, was uns zur Bullenwache in der Gegengerade überleitet. Lange waren die Bedenken der Fans dem Präsidium bekannt, lange musste die AG Stadionbau ohne Unterstützung der Vereinsführung an alternativen und Konzepten arbeiten. Es war die AG Stadionbau, die einen Architekten beauftragen musste, eine externe Lösung zu skizzieren. Trotz all dem wird erst nach heftigsten Protesten angefangen ernsthaft nach Lösungen zu suchen, und Stand heute noch NICHTS gefunden.

Dann war da noch die Posse um die Entlassung und dann Nichtentlassung Schuberts. Da wurde über die Medien kommuniziert, alles war klar, Schubert sollte gehen und nach 1,5 Stunden Gespräch die Kehrtwende: Schubert bliebt, Schulte ging. Nicht dass ich Schulte gerne behalten hätte, aber Schuberts Verbleib, so stellten wir nun fest, brachte uns sportlich in eine ungemütliche Situation. Nun muss nicht nur Schuberts Gehalt weiter gezahlt werden, sondern auch Frontzecks, dem Vernehmen nach, nicht bescheidenes Gehalt. Neben diesem finanziellen Schaden, bleibt natürlich der sportliche Schaden, den es nun zu begrenzen gilt. Wir erinnern uns an die Ankündigungen man wolle zu den Top 25 gehören und an die Umstellung des Finanzierungsmodells beim Stadionneubau. Eigentlich MÜSSEN wir zu den Top 25 gehören, damit wir nicht in finanziell schwierige Fahrwasser geraten. Fraglich, ob wir einen Abstieg in die dritte Liga überstehen würden, bzw. überhaupt die Lizenzierung erhielten. Wohl daher rührt auch das kontinuierliche Anheben der Eintrittspreise.

Fazit

Die Stellungnahme nach dem Schweinske Cup, sowie das gerichtliche Vorgehen bei Becherwurf, Kassenrollenwurf und dem Gästefanverbot beim Rostock Spiel bleiben die kleinen leuchtenden Ausnahmen in einer sehr negativen Bilanz dieses Präsidium. Dabei scheint das Rückgrat dieser Herren aufgebraucht, wie nicht zuletzt die völlig unmotivierte Stellungnahme bezüglich des DFL Papiers „Sicheres Stadionerlebnis“ eindrucksvoll unterstrich. Unser Präsidium erscheint metaphorisch gesprochen, wie gallertartiger Schleim. Sie versuchen möglichst unangreifbar zu sein, in jeder erdenkliche Form zu passen und bloß nirgends mehr anzuecken, weder bei den Fans noch beim DFB. Dieses Vorhaben kann nur scheitern, denn es wird den gesellschaftlichen Realitäten nicht gerecht. Es wird Zeit, dass wir ein Präsidium bekommen, das Profil aufweist, sich mal in den Auswärtszug setzt, die Lebensrealität von Fußballfans verstehen lernt und, traurig es sagen zu müssen, mehr wie das ist, wie das von Union Berlin. Der Weg über eine Entwicklung unseres bestehenden Präsidiums scheint mir dabei weder wünschenswert, noch möglich. Eine Abwahl des Präsidiums erscheint nur leider auch nicht realistisch. So versinken wir in einem Sumpf aus Scheiße. Lasst uns wenigstens die Arme oben behalten und in jeder Hand ’nen Bengalo.

Dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

Bis denn,
Hakan


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