»Die tun uns nichts, dann ist das doch okay.«

Erfolg macht sexy. Und so scheint es, als nutzte die Eintracht aus Braunschweig das spielfreie Wochenende, um den empirischen Gegenbeweis anzutreten.

Nachdem am 3. Oktober die Broschüre „Kurvenlage – Rechte Aktivitäten in der Fanszene von Eintracht Braunschweig“ erschienen ist, und die Ultras Braunschweig nur drei Tage später erstmals seit knapp 4 ½ Jahren als Gruppe ein Heimspiel ihrer Profimannschaft besuchten, sorgte das für viel Aufregung. Bereits beim Betreten des Stadions gab es Morddrohungen in Richtung der linken Ultras. Während des Spiels versuchten mehrere Fans aus der Braunschweiger Südkurve zu den antifaschistischen Ultras in die Nordkurve zu gelangen. Noch während des Spiels musste ein Trennzaun aufgebaut, und die Zahl der Ordnungskräfte drastisch erhöht werden, um den Schutz der friedlichen Ultras zu gewährleisten. Zum Spielende wurde noch ein kleines Spruchband „Keine Eintracht mit Nazis!“ gezeigt.
Die Sicherheitslage gestaltete sich dermaßen kompliziert, dass die Ultras Braunschweig nach einer 30 minütigen „Blocksperre“ das Stadion über den Gästeblock verlassen mussten, um anschließend in einem Shuttlebus mit Polizeibegleitung in einen anderen Stadtteil gefahren zu werden.
Nachdem die Fans des Gastvereins zum Bahnhof gebracht wurden, versuchten ca. 40 Hooligans den Gästebereich zu stürmen, um die Ultras Braunschweig anzugreifen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Nun, wer jetzt denkt der Verein hätte sich über die Tatsache, dass linke Ultras im Eintrachtstadion vor Fascho-Hools beschützt werden müssen empört, der irrt.
Empört ist der Verein, allerdings vom Erscheinen der antifaschistischen Fans. In einer ersten Pressmitteilung schrieb die Klubführung, dass sie es nicht zulassen werde, dass eine Gruppe den sportlichen Erfolg der Eintracht für ihre politischen Zwecke missbraucht.
Kurze Zeit später erscheint in der 11Freunde ein Interview mit dem Fahnenträger und Vorzeigefan Thilo Götz, in dem er zwar eingesteht, dass es Nazis in der Fanszene Eintracht Braunschweigs gibt, aber der Grundtenor unter den restlichen Fans „Die tun uns nichts, dann ist das doch okay.“ lautet.
Während taz, Braunschweiger Zeitung (2), (3), Spiegel Online und publikative.org mehr oder weniger seriös berichteten, läutete die Braunschweiger Blogosphäre zum Shitstorm gegen Ultras Braunschweig, „die“ Antifa und die Herausgeber der Kurvenlage. Den widerlichen Bodensatz der Diskussion um Nazis in der Braunschweiger Fanszene findet man allerdings im offiziellen Vereinsforum. Dieses ist zwar moderiert, doch reicht hier die Palette von einfacher Blödheit über Verleumdung bis zur Bedrohung andersdenkender Fans.

Soviel erstmal zur Einleitung, wir empfehlen ausdrücklich den Text von publikative.org

Hier geht’s zur Broschüre „Kurvenlage – Rechte Aktivitäten in der Fanszene von Eintracht Braunschweig“

Hier gibt es einen vollständigen Pressespiegel: recherche38.info


1 Antwort auf „»Die tun uns nichts, dann ist das doch okay.«“


  1. 1 Die letzten Tage… « von nichts gewusst – Keine Eintracht mit Nazis Pingback am 16. Oktober 2012 um 22:10 Uhr
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