Archiv: Basch #16 – Interview St. Pauli Roar! Espresso

Hallo, ihr habt mit dem Roar!Kaffee ein Solikaffee-Konzept entwickelt. Wie muss man sich das vorstellen?
Bei dem Kaffee handelt es sich um einen Soli-Espresso, der vollständig „St. Pauli Roar – para el barrio en resistencia“ heißt. Wir haben diesen Namen gewählt, weil mit dem Begriff „Roar“ der Mythos der kritisch-politischen Sankt Pauli Fans und deren Enthusiasmus verbunden ist, womit er gleichsam für Begeisterung und Identifikation sorgt. Auch der Stadtteil Sankt Pauli war immer Ort politischer und sozialer Auseinandersetzungen und Kämpfe. An dieser politisch-sozialen Verbindung zwischen Stadtteil und Stadion möchten wir mit unserem Kaffee ansetzen und Initiativen und Aktionsgruppen aus Sankt Pauli und im Umkreis des FC St. Pauli mit einem eigenen Solikaffee unterstützen.


Ihr macht den Kaffee in Zusammenarbeit mit dem Café Libertad, wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Das ist eine schöne Frage. Einige Mitstreiter_innen des Café Libertad sind in der Sankt Pauli Fanszene aktiv und daraus ist letztlich die Idee entstanden, gemeinsam mit Sankt Pauli Fans und Stadtteilaktivist_innen zu gucken, wie ein solches Projekt zu realisieren ist. Dabei ist es wirklich erfreulich, dass wir das im Prinzip „von unten“ aufgezogen haben, und im Zuge des Entstehungsprozesses an diverse Gruppen herangetreten sind mit unserer Idee, so dass das Projekt jetzt am Engagement und Herzblut diverser Personen aus unterschiedlichsten Ecken hängt.

Kannst du ein bisschen was dazu sagen, wo der Kaffee herkommt und wie er produziert wird?
Es handelt sich um einen Bio-Rohrkaffee aus Honduras von der Kooperative Comsa, einem Zusammenschluss von Kleinbauern. Die Kooperative verfolgt einen politischen Anspruch und versteht sich selbst als linke Organisation, woraus auch der Anspruch entsteht, unter tatsächlich fairen Bedingungen zu produzieren und zu handeln. Es ist also kein bloßes Fair-Trade-Label, um das europäische Gewissen zu beruhigen, es geht hier um tatsächlich fair gehandelten Solikaffee, dessen Erlöse Initiativen in Honduras einerseits, aber auch politischen Projekten der Fanszene und Stadtteilinitiativen aus St. Pauli zugute kommen.

Daran schließt sich natürlich die Frage an, wie über die Verteilung des Geldes entschieden wird.

Über den Anteil für Sankt Pauli entscheidet ein Gremium aus Sankt Pauli Fans und Sankt Pauli Aktivist_innen. Grundsätzlich sollen Projekte unterstützt werden, die sich, sei es im Stadion oder im Stadtteil, gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie, Repression, etc. engagieren bzw. die Flüchtlingsarbeit und andere soziale Arbeit leisten. Letztlich geht es um Selbstorganisation von Fans und Anwohner_innen. Als Beispiele für Projekte könnten Initiativen für ein Recht auf Stadt oder euer Flüchtlingsprojekt genannt werden. Natürlich können wir nicht alle Projekte und Initiativen kennen, so dass wir nach einer Anlaufzeit von 6 Monaten, die wir brauchen, bevor wir überhaupt Gelder rausgeben können, auch offen sind für neue Projekte, die sich dann gerne bei uns um Gelder bewerben können. Grundsätzlich sollen pro Packung 12,5 Cent an oppositionelle Gruppen in Honduras gehen und 55 Cent sollen nach Sankt Pauli gehen. Der Rest setzt sich aus Produktions- und Transportkosten und natürlich dem Ertrag der Produzierenden zusammen. Das heißt, es könnte einiges an Geld für coole und wichtige Projekte rumkommen.

Womit sich die Frage stellt, wie viel denn eine Packung kosten soll und wo der Kaffee zu kaufen sein wird?
Der Preis für eine 250g-Packung liegt bei 3,90 Euro im Selbstvertrieb. Bezogen werden kann der Espresso in Stadtteilprojekten wie dem Centro Sociale und Fantreffpunkten, wie dem Jolly Roger oder dem Fanladen. Wer von Außerhalb kommt, oder wer beim Hamburger Wetter lieber in der Bude bleibt, kann auch im Internetshop vom Café Libertad bestellen. Neben gemahlenem Kaffee für zuhause wird es auch Bohnenkaffee geben, der hoffentlich in vielen Kneipen und Cafés ausgeschenkt wird. Allgemein kann man das Projekt leicht unterstützen, indem man seinen Stammkneipier davon überzeugt, den Kaffee ins Sortiment aufzunehmen oder indem man einfach Werbung in seinem sozialen Umfeld für dieses Projekt macht.

Möchtest du unseren Leser_innen noch etwas mitteilen?
Das Projekt lebt von Unterstützung und kann nur gemeinsam ein Erfolg werden. Wer uns unterstützen möchte oder Fragen hat, kann sich gerne auf unsere Internetseite verirren.

Infobox
Kontakt: stpauliroar (at) gmx.de
Roarkaffee: http://stpauliroar.blogsport.de
Café Libertad: http://cafe-libertad.de
Preis: 3,90 Euro pro 250g


3 Antworten auf „Archiv: Basch #16 – Interview St. Pauli Roar! Espresso“


  1. 1 KleinerTod 13. August 2012 um 18:34 Uhr

    Klingt großartig.

    Der korrekte link lautet übrigens http://stpauliroar.blogsport.de/ – ohne Punkt zwischen st“.“pauli. Grad festgestellt. ;)

  1. 1 Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Puschenkino Pingback am 13. August 2012 um 15:02 Uhr
  2. 2 Teileröffnung Gegengerade beim Heimauftakt des #FCSP gegen Ingolstadt « KleinerTods FC St. Pauli Blog Pingback am 13. August 2012 um 15:38 Uhr
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