Archiv: Basch #7 – Hub-Hub-Hubschraubereinsatz?

Die große Geschichte der Missverständnisse zwischen Verein und Fans ist am letzten Spieltag um ein Kapitel reicher geworden. Zwar glücklicherweise nur ein ganz kleines, schnell erledigtes und eigentlich gänzlich unbedeutendes; aber das Beispiel ist griffig. Es zeigt wunderbar auf, wie viel eigentlich im Verständnis zwischen Anhängern und den so genannten “Offiziellen” im Argen liegt. Sollte nicht endlich ernsthaft an diesem Problemfeld gearbeitet werden, läuft unser Verein Gefahr, einen erheblichen Schaden davonzutragen.

In der Halbzeitpause drehte ein ferngesteuerter Hubschrauber seine Runden durch das Stadion. Keiner wusste, was das soll und den meisten war es auch egal. Schon in der Kurve und auch danach im Internet wurde dennoch über den Hintergrund spekuliert und die Frage aufgeworfen, ob so Einzelbilder von Personen angefertigt werden würden, ob das der nächste hippe Werbegag für irgendwas sei, ein Filmprojekt (wäre doch mal ‘ne coole Einstellung!), ob die Polizei ihre Finger im Spiel habe oder sonst was. Merkt ihr’s? Ein unmittelbar kritischer Blick. Tage später stellte sich raus, dass unser Sponsor Hamburg Energie auf diese Weise Aufnahmen der Photovoltaikanlagen auf dem Dach für ein Werbevideo angefertigt hatte.

Also, wie so einiges in der Vergangenheit, ziemlich unproblematisch. Sicher gab es unter 22.000 Besuchern auch einige, denen das nicht gefallen hat, aber ich würde mich wundern, wenn es wirklich eine nennenswerte Zahl Fans gab, die das jetzt richtig scheiße fanden. Es bestätigte sich eine Theorie, die ich schon seit einiger Zeit pflege: In einem Klima, in dem sich alle mit dem Weg wohl fühlen würden, den unser Verein geht und in dem sich alle Beteiligten auf diesem Weg mitgenommen fühlen, in so einem Klima wären viele Sachen überhaupt kein Problem und würden entweder gar nicht wahrgenommen oder sachlich diskutiert und so in zukünftige Entscheidungen einbezogen. Ich lehne mich mal sehr weit aus dem Fenster (und freue mich auf schimpfende Leserbriefe), indem ich behaupte, dass selbst so eine Sache wie die LED-Laufbänder kaum Beachtung gefunden hätte und ganz anders diskutiert worden wäre, wenn wir uns in einer anderen Situation befunden hätten. Es ist der Reflex des Widerspruches einer Fanszene, die nicht einverstanden ist mit dem, was aus ihrem Verein aktuell wird. Das Gefühl, Dingen eben nicht mit Gelassenheit begegnen oder sie in Ruhe diskutieren zu können, sondern um jedes kleine Stückchen der eigenen Vorstellungen ständig kämpfen zu müssen. In so einer Situation wird jedes kleine Ding (und sei es nur ein unbedeutendes Hubschraubermodell, das wahrscheinlich auch noch echt coole Bilder gemacht hat und bei dem es sich um einen total nachvollziehbaren und unproblematischen Wunsch eines Sponsors handelte) zu einer potentiellen Auseinandersetzung, stellvertretend für das große Ganze.

Das wird so lange weitergehen, bis wir alle einen gemeinsamen Weg wiedergefunden haben, auf dem man die Befindlichkeiten aller zu respektieren gelernt hat und zu Kompromissen bereit ist. Man kann einen gemeinsamen Weg in diesem Verein beschreiten, ohne alles gut zu finden, was passiert – ob es sich jetzt um ungeliebte Sponsoren, doppelstöckige Logen, Marketingaktionen, Lagerräume im Stadion, Einstellungen zu Gewalt und Polizei oder Pyrotechnik handelt. Leider gibt es diesen Weg und dieses gemeinsame Verständnis aktuell nicht in ausreichendem Maße. Bei den Fans manifestiert sich der Eindruck, dass zu viel von dem auf dem Altar des wirtschaftlichen Erfolgs und der Professionalisierung geopfert wird, was den Fußball, unsere Fankultur und unseren Verein so liebenswert und besonders macht.

Dabei gibt es natürlich auch in diesem Punkt nicht nur schwarz und weiß. Wir sagen nach wie vor voller Überzeugung: die Führung des Clubs sind seine Fans. Aber wir wissen, dass auch wir Fehler machen und mit unseren Handlungen Diskussionen erschweren. Sicher ist nur eins: es ist höchste Zeit, an diesem gemeinsamen Weg zu arbeiten.

Anachronist


3 Antworten auf „Archiv: Basch #7 – Hub-Hub-Hubschraubereinsatz?“


  1. 1 gabi 07. November 2011 um 10:28 Uhr

    Sehr guter Text!! Danke..

  2. 2 Gegengeraden-Gerd 08. November 2011 um 14:13 Uhr

    Schließe mich an! Guter Text,gut beobachtet, besonnen argumentiert und auch selbstkritisch. Nur bei den LED-Laufbändern bin ich nicht dabei, über die hätt ich mich wahrscheinlich unter allen Umständen fürchterlich aufgeregt, weil die Dinger nun mal wahnsinnig vom Spiel abgelenkt haben.

    Wo ich stand, wurden beim Heli-Vorbeiflug gleich „Wo sind die Becherwerfer, wenn man sie braucht“-Witze gerissen. Wobei eher Sponsoren oder Sky im Verdacht waren als die Polizei.

  1. 1 Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Aufm Sonnendeck Pingback am 10. November 2011 um 3:35 Uhr
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