Archiv: Basch #4 – Interview Boxabteilung

Ab dieser Ausgabe startet eine neue Serie; in unregelmäßigen Abständen wollen wir über die verschiedenen Amateur-Abteilungen unseres Vereins berichten. Los geht es aus aktuellem Anlass mit der Box-Abteilung, dem BC Barracuda. Dieser richtet am 02.10.2011 eine eigene Veranstaltung in der Sporthalle des Wirtschaftsgymnasiums an der Budapester Straße aus (Eintritt: 10 €/7,50€ ermäßigt).
Zum Zwecke eines kurzen Interviews traf sich die basch mit einem der Trainer, Ralf, im Viertel zu einem Döner-Teller und einer Apfelschorle (das Raval hatte zu).

basch: Moin Ralf, Danke für Deine Zeit. Erzähl doch zu Beginn kurz etwas zu eurem Box-Club.

Ralf: Gegründet wurde die Box-Abteilung im März 2007. Von anfangs 30 Leuten ist die Mitgliederzahl in den vier Jahren auf ca. 170 Menschen gestiegen. Wir haben derzeit 3 Box-Trainer und einen Kraft-Trainer im Einsatz; zwei weitere Box-Trainer aus eigenem Nachwuchs sind gerade in der Ausbildung. Trainiert wird im Karoviertel, wo alles seinen Anfang nahm, in Eimsbüttel und Kieznah hinter dem Bismarck-Denkmal am Zeughausmarkt. Die charmante Kellerhalle dort hat sich zu unserer eigentlichen sportlichen Heimat entwickelt. Dort haben wir auch einen Boxring, Spiegelwände und anderes Zeugs zur Verfügung.

basch: Das war ja sicher anstrengend vorher, an drei verschiedenen Trainingsorten, vor allem wegen dem ganzen Material…

Ralf: Genau. Die Zeiten, wo wir aus dem Kofferraum gelebt haben, sind mit der Halle am Zeughausmarkt glücklicherweise vorbei.

basch: Würdest du sagen, dass ihr einen bestimmten Stil lehrt, also zum Beispiel Doppeldeckung bevorzugt oder eher mit offenem Visier und vielen Meid-Bewegungen arbeitet? Oder willst du mir das nicht verraten, weil ich bei der Konkurrenz trainiere?

Ralf (lacht): Sagen wir mal so: Wir pressen keinen in einen Stil, den er nicht wird erlernen können. Wir arbeiten ja nicht gegen einen Sportler. Aber Technik, Taktik, Kampfintelligenz, Beweglichkeit und Ausdauer haben bei uns grundsätzlich erst einmal einen hohen Stellenwert. Das mit der Brechstange ist der Plan B. Boxen soll ja auch schön sein.

basch: Wie viele Wettkämpfer habt ihr denn zur Zeit?
Ralf: Reine Wettkämpfer sind es zur Zeit 6 Leute. Aber unser Konzept funktioniert ein bisschen anders: Leistungssportler (Gruppe A) und Wettkampfsportler (Gruppe B) bilden in der Praxis eine Trainingsgemeinschaft: dasselbe Training und dieselben Anforderungen – mit nur einem einzigen Unterschied: Die Wettkämpfer steigen öffentlich in den Ring, die anderen belassen es bei Wettkampf-nahem Sparring. Unsere Erfahrung ist, dass es ein Interesse an intensivem Training gibt, aber aus vielen unterschiedlichen Gründen nicht immer die Bereitschaft oder die Möglichkeit zu Wettkämpfen besteht. Insgesamt achten wir aber darauf, dass die Leistungs- und Wettkampfsportler keinen „Club im Club“ bilden. Es gibt daher ganz bewusst auch Trainingseinheiten, in denen die sogenannten Breitensportler mit den Leistungs- und Wettkampfsportlern trainieren. Davon profitieren alle und es ist ja auch nicht so, dass in den anderen Trainingsgruppen nicht reell geboxt würde.

basch: Als Amateur-Abteilung des großen FC St. Pauli hat man es ja nicht immer leicht. Wie sieht es aus mit Unterstützung für euch von Vereinsseite?

Ralf: Generell ist es ja so, dass alle Amateur-Abteilungen mit dem Geld haushalten müssen, das sie selbst einnehmen. Find ich auch okay. Die Unterstützung vom Verein ist vor allem struktureller Art, also zum Beispiel mal einen Bus nutzen zu können oder jetzt für unsere Veranstaltung 500 Stühle geliehen zu bekommen, die wir sonst hätten mieten müssen. Solche Sachen eben. Das entlastet uns natürlich enorm.

basch: Glaubst Du, dass der Name „FC St. Pauli“ Einfluss auf eure hohen Mitgliederzahlen hat?

Ralf: Ich denke schon. Wobei das natürlich so eine Sache ist. Am Erfolg des Fußballs haben wir ja allenfalls als Stadiongänger Anteil, wenn man das so sagen kann. Und von den 101 Jahren des Vereins sind wir als Boxer schließlich auch erst 4 Jahre dabei. Das ist ja doch eine eher kurze Zeit. Also den Ball mal lieber flach halten und weiter ganz bescheiden und solide Aufbauarbeit leisten. Und vor allem weiter an dem spannenden Projekt arbeiten, den Werten, die man mit dem Namen verbindet, in unserer speziellen Sportart einen eigenen Ausdruck zu geben.

basch: Wenn du Barracuda im Hamburger Amateur Box Verband einordnen solltest, wo würdest du ihn ansiedeln?
Ralf: Vor allem bemüht darum, sich in den gegenwärtigen verbandspolitischen Konflikten nicht instrumentalisieren zu lassen. In erster Linie wollen wir boxen und erwarten von einem Sportverband, dass er funktioniert. Diesen Anspruch darf man stellen. Die Lage im Hamburger Verband ist aber desaströs: Deutsche Meisterschaft weggenommen, Trainerausbildung verboten, bundesweite Isolation. Sogar der zwangsweise Ausschluss aus dem bundesweiten Dachverband droht. Wir haben letzte Woche in Kiel geboxt, und die erste Frage, die man auswärts gestellt bekommt, ist derzeit: „Was ist bei euch eigentlich los?“ Wäre schön, wenn ich darauf eine Antwort hätte. Es geht zu wie in einem zerstrittenen Kleingartenverein, wo sich die Leute aus inzestuösem Hass nachts heimlich gegenseitig heimlich an die Hecken pissen.
[Anmerkung: der Hamburger Verbandspräsident Jimmy Jamal Abbud ist gerade zurückgetreten, nachdem der Bundesverband die diesjährige Deutsche Meisterschaft wegen diverser Unstimmigkeiten von Hamburg nach Leipzig verlegt hatte]

basch: Wie ist das mit anderen Vereinen, gerade hier im Viertel- siehst du die eher als Konkurrenz oder gibt es ein freundschaftliches Miteinander?
Ralf: Weder noch. Es hat sich zwar mit einigen Vereinen eine gute und regelmäßige sportliche Zusammenarbeit entwickelt, allerdings sind es aus irgendwelchen, vielleicht auch ganz zufälligen Gründen nicht die direkten Nachbarn. Am Anfang ist man als komplett neuer Verein in der Boxwelt eh isoliert. Da entwickelt sich so etwas nach ganz eigenen Regeln. Räumliche Nähe oder Distanz ist da nicht das Kriterium. Wichtiger ist vielmehr, dass man sportlich wie menschlich auf einer verwandten Frequenz sendet und empfängt – daraus ergeben sich dann Kontakte und Partnerschaften. Jedenfalls haben sich die Kontakte und die sportliche Zusammenarbeit institutionalisiert: Einmal im Monat sind wir Gastgeber eines Sparrings-Jour-Fixes und freuen uns über den Besuch einer Handvoll von Vereinen, bei denen wir wissen, dass es mit denen cool läuft und für alle einen sportlichen Wert hat.


basch: Dann zu eurer Veranstaltung am 02. Oktober: das ist die zweite, die ihr selber ausrichtet. Was für organisatorische Erfahrungen habt ihr von der letzten mitgenommen, beziehungsweise: Was wollt ihr verändern?

Ralf: Die Ausrichtung ist eine andere. 2008 war das auch Party und Event und ohne Zweifel nett. Aber jetzt soll der Sport klar im Vordergrund stehen. Da gibt’s kein Show-Programm, es wird darum gehen, 18-20 Kämpfe im Ring stattfinden zu lassen und nach dem kreativen Chaos beim letzten Mal zu zeigen: Wir können auch geordnet, ohne Welpenschutz, und alles hat Hand und Fuß. Wenn dann hoffentlich alles geklappt hat, schließen wir die Halle ab und gehen mit allen, die noch Durst haben, ‚rüber ins Jolly Roger: Mit uns, den Boxern und Trainern der anderen Vereine und den Zuschauern. Dann darf’s ruhig chaotisch werden.

basch: Wie sieht’s bisher mit der Beteiligung von anderen Vereinen aus?
Ralf: Wir können nicht klagen. Es liegen aktuell ca. 150 Anmeldungen auf dem Schreibtisch, bisher sind 32 passende, interessante Kämpfe zusammengestellt. Wie immer bei solchen Planungen fallen dann noch kurzfristig eine Reihe von Kämpfen aus, aber das macht Hoffnung, dass man am Ende auch 18-20 gute Kämpfe über die Bühne bekommt. Neben Hamburger Vereinen haben sich noch Vereine aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen angesagt, vielleicht kommen sogar Dänen. Aber ich glaube erst, dass sie alle da sind, wenn sie alle da sind. Mal sehen.

basch: Spätestens beim Wiegen weiß man dann Bescheid, wer antritt und wer nicht.
Ralf: Und wer das Gewicht gehalten hat…
basch: Hahaha.
Ralf: In Hannover habe ich mal erlebt, dass ein Sportler eines anderen Vereins 11 Kilo mehr wog, als bei der Meldung angegeben. Da platzt einem Veranstalter natürlich ein Kampf weg, weil der ja nicht mehr gegen seinen geplanten Gegner boxen darf, wenn der sein Gewicht auf der Waage bringt. Wie kommt ein Trainer auf so was?! Wir wissen grundsätzlich auf 500 Gramm genau, was unsere Wettkämpfer wiegen – auch ohne sie gewogen zu haben.

basch: Aber da das ja kein Turnier ist, kommt es ja auf’s Gramm nicht an.

Ralf: Genau. Gewichtsunterschiede sind erlaubt innerhalb der Spannbreite der Gewichtsklasse des leichteren Gegners. Aber sowas wie 11 Kilo sprengt alles …

basch: Zum Abschluss noch mal ein Ausblick: Wo siehst Du Barracuda in fünf Jahren?

Ralf: Oha! 500 Mitglieder?! … Nein, im Augenblick geht es vor allem darum, dass wir uns weiter verjüngen, weiter Mädchen und Frauen für den Sport gewinnen und den Leistungs- und Wettkampfbereich intensivieren. Geht ja alles gut voran, auch mit allmählichen sportlichen Erfolgen (von den letzten 6 Kämpfen 5 gewonnen), aber ist alles eben noch im Werden und muss sich weiter festigen. Was aber nicht heißen soll, dass der Breitensport vernachlässigt wird. Wie bereits gesagt: Da ziehen wir gar nicht diese strikte Grenze. Boxen ist Boxen, wenn man es mit Herz macht.

basch: Noch ein Wort an die Besucher/innen der Südkurve, die sich für Boxen interessieren?
Ralf: Schaut einfach rein, macht ein Probe-Training mit, wir freuen uns.

basch: Dann vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns am 02. Oktober in der Budapester Straße!

(Das Interview führte Toni G.)

Trainingszeiten und alle Infos unter http://bc-barracuda.de/.


1 Antwort auf „Archiv: Basch #4 – Interview Boxabteilung“


  1. 1 Sankt Pauli zeigt sich kämpferisch « faustkampf Pingback am 26. Oktober 2011 um 18:19 Uhr
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