Archiv: Basch #1 – Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser!
Bääääm! Da ist es! Das neue Heft von Ultrà Sankt Pauli. Nachdem das Pokalaus in Trier der Euphorie natürlich einen gehörigen Dämpfer versetzt hat, habe ich die Ehre, euch zur ersten Ausgabe unseres neuen Magazins begrüßen und euch auf eine fantastische Reise einladen zu dürfen. Das Ziel sind noch immer die Sterne und Wahnsinn ist immer noch die Fahrkarte für diesen Zug.

Wie ihr mitbekommen haben dürftet, erschien zum letzten Heimspiel der vergangenen Saison mit der Nummer 158 die letzte Ausgabe der „Gazzetta d’Ultrà“. An die Stelle der „Gazzetta“ wird nun als Magazin der Gruppe USP „Basch“ treten. Wir wollen mit diesem neuen Titel an die goldenen Tage anknüpfen, den Spirit des Heftes der Jahre rund um 2005 wieder finden und ein Magazin kreieren, dass wieder die Aufgabe übernimmt, das Sprachrohr von USP zu sein. Viel zu oft wurde in der letzten Zeit über uns geredet, wir selbst aber haben nichts gesagt. Das war ein Fehler; denn während wir stehen geblieben sind, hat sich die Welt weiter gedreht. Diskussionen und Positionen haben es nur selten über Treffen und kleinere Runden hinaus geschafft. Viele Leute, die sich gerne organisieren möchten, hatten bei den vielen Themen kaum eine Chance zu erfahren, wie USP bestimmte Dinge eigentlich sieht und bewertet, welchen Weg wir verfolgen, wo wir Probleme sehen und was wir dagegen tun wollen. Wir haben das als großes Problem erkannt, denn wir wollen nicht unser kleines Süppchen kochen, sondern wir wollen mir euch allen etwas Großes erschaffen und ausbauen.

Die „Gazzetta“ war einmal angetreten, diesen Anspruch zu erfüllen, hat diese hohen Erwartungen aber nach all der Zeit aus verschiedenen Gründen nicht mehr erfüllen können. Sie war am Ende kein Heft mehr, dass die Gruppe repräsentierte, über das die Gruppe kommunizierte und informierte und sie wurde mehrheitlich von Personen und Positionen geprägt, die sich etwas oder vollständig von der Gruppe entfernt hatten. „Basch“ soll diese Lücke jetzt schließen. Es wird das ultimative Heft für alle, die sich zu Ultrà am Millerntor zugehörig fühlen oder sich dafür interessieren. Und wir wären ja nicht, wer wir sind, wenn wir nicht noch viel mehr wollen würden. Das Heft wird sich somit nicht nur der Gruppe USP widmen, sondern auch vielen anderen Themen rund um den FC St. Pauli. Wer wissen will, was in der Südkurve und bei den Ultras von Sankt Pauli abgeht, der muss ab jetzt „Basch“ lesen. Wer das Heft nicht hat, wird vieles an Informationen und Diskussionen verpassen. Dabei wollen wir ganz bewusst wieder zu einem klassischen Fanzine zurück. „Basch“ wird einen Euro kosten, bei jedem Heimspiel erscheinen und erstmal auf Farbcover und Ähnliches verzichten- Poster und so was in der Art kommen dann nach wie vor als gelegentliches Gimmick. Wenn ihr euch mit Beiträgen beteiligen wollte, dann schickt diese bitte zeitig an die Redaktion. Wir werden in Redaktionssitzungen regelmäßig die Themen der kommenden Ausgaben besprechen, und eure Einsendungen dabei gerne als Input nehmen.

Wochenlang dauerten die Vorbereitungen für das neue Heft. Etliche Treffen und viele Überlegungen führten dahin, wo wir heute stehen. Da war die Diskussion um die generelle Ausrichtung. Wollen wir einen Rundbrief an Mitglieder, Freunde und Bekannte? Oder fehlt ein Medium, das unsere Ansichten einem weiteren Kreis an Fans erschließt? Welchen Stil soll es verfolgen? Wie oft soll es erscheinen? Wird nur in der Südkurve verkauft oder wollen wir endlich auch wieder vermehrt den Kontakt zur Gegengerade und Nordkurve suchen? Oder gar zur Haupttribüne? Wie teuer darf es sein? Wird weiterhin alles von fleißigen Ultras in Handarbeit getackert? Ganz zu schweigen von der Namensfrage. Am Ende wurde es weder “Stil, Satz und Freak”, “Faustregen” oder “Gangsters of Love”, noch “Copkiller”, “Uralt” oder “Herzschlag” – sondern „Basch“. Du hast die Premiere vor der Nase.

Bevor wir fortfahren, ist es mir allerdings ein persönliches Anliegen, noch einen Rückblick auf die „Gazzetta“ zu werfen. 158 Ausgabe unserer Stadionpostille sind erschienen und somit ging mit der „Gazzetta“ auch ein Stück der Geschichte der Ultras am Millerntor. Sie war in Sachen Ultrà das unangefochtene Medium Nummer 1. Noch heute berichten viele, wie sie durch das Heft zu USP gekommen sind. Der informative und integrative Charakter war ein Stützpfeiler der Gruppe, der Kultur. Sie ist allerdings in den letzten Jahren kein Gruppenmagazin mehr gewesen, sondern wurde am Ende von wenigen Einzelpersonen gemacht, die sich teilweise leider ziemlich von der Gruppe entfernt hatten. Nichtsdestotrotz ist dieser Absatz nicht weniger als eine Hommage an die vielen Menschen, die das Heft in all der Zeit seit der Nummer 0 geprägt haben. Ich möchte euch dafür meinen tiefen Respekt ausdrücken. Viele sind schon lange nicht mehr in der gleichen Intensität wie früher dabei und beim Rekapitulieren der Erscheinungsjahre ist mir klar geworden, wie viel sich eigentlich geändert hat. Ich begleite diese Gruppe von ihrer ersten Sekunde an und in ruhigen und ja, manchmal auch melancholischen Momenten wird mir klar, dass ich viele von euch vermisse. Ich wünsche den scheidenden Aktiven das Beste für ihre kommenden Projekte. Jedes Nachtreten, jedes böse Wort, jeder Vorwurf würde eurem Einsatz für die „Gazzetta“ nicht
gerecht. Unsere klärenden Gespräche haben gezeigt, dass es in der vorliegenden
Konstellation aktuell kein Fortkommen geben konnte, doch ich hoffe, ihr werdet mit euren
Ideen glücklich. Ich weiß genau, dass sie eine Bereicherung für die braun-weiße
Welt sein werden, und ich war einer der Ersten, der beispielsweise die erste Ausgabe des „Kiezkieker“ gelesen hat.

Die „Gazzetta“ geht, doch die Denkmäler bleiben. Sie befinden sich in unzähligen Zeitungsständern, Regalen, Kartons und in unserer Erinnerung. Jede einzelne Ausgabe war eine Manifestation unserer fantastischen Geschichte. Ein Zeugnis der vielen verschlungenen Pfade unserer Erfolge, unserer Fehler, unseres Mutes und unseres Größenwahns, unserer Liebe und unserer Wut. All‘ die Pfade, die zu der großartigen Geschichte der Gruppe USP führten. Wir werden nun neue Pfade beschreiten, wie immer, und wir werden mit euch zusammen neue Denkmäler bauen.

Damit nun der Blick zurück nicht allzu viel Raum einnimmt, seien weitere Gedanken zur letzten Saison wie folgt zusammengefasst: Ich bin mit Sankt Pauli durch ganz Deutschland gefahren. Ich habe Vereine besucht, die es mittlerweile gar nicht mehr gibt und ich war gespannt auf die großen Kurven, auf die anderen Fanszenen, von denen man in den Jahren der Unterklassigkeit kaum etwas mitbekommen hat. Hat mich die erste Liga in Gänze beeindruckt? Nein! Sicher, es war interessant und ich hätte richtig gerne noch ein Jahr dort verbracht; ich bin mir aber sicher, dass ich das Allermeiste nicht vermissen werde. Wie wurde in der Südkurve gesungen? “Erste Liga war schön, Zeit für uns zu gehen!”. Das dachten sich Stani und Truller wohl ebenso und mir bleibt an dieser Stelle ebenfalls nur, den beiden alles Gute zu wünschen. Den Helden meiner Jugend. Ich habe euch geliebt! 1995 hingt ihr als Starschnitt über meinen Bett, Stani, dein Tor im Derby gegen die blaue Seuche! Doch die Weisheit stimmt: “Spieler kommen, Trainer gehen, nur Sankt Pauli bleibt bestehen”. Vielleicht war es einfach an der Zeit. Besonders Stani hat in Sachen Fans fast regelmäßig daneben gegriffen und seinen Heldenstatus immer weiter demontiert. Am Ende haben er und Truller zu genau der richtigen Zeit den Respekt bekommen, den sie verdienen. Als große Typen, als Aushängeschild einer ganzen Ära und als große St. Paulianer.

Doch wie sieht es hier bei uns auf St. Pauli jetzt aus? Wir stehen vor einer wahnsinnig spannenden Saison. In den Medien wird unsere Liga schon als “Prügel-Liga” bezeichnet. Und in der Tat, eine solche Häufung von interessanten Fanszenen hat es in der zweiten Liga wohl tatsächlich noch nicht so häufig gegeben. Geht es um den direkten Wiederaufstieg? Mag sein. Geht es vielleicht aber auch gegen den Abstieg wie nach unserer letzten Bundesliga-Saison? Hoffentlich nicht. Spielen wir im Mittelfeld mit? Denkbar ist es. Doch egal, was sein wird, wir werden da sein, denn wir Fans sind Sankt Pauli. Wir sind die Seele dieses Clubs, und wir werden den Weg gehen. Es geht dabei nicht nur um die Unterstützung für die elf Spieler auf dem Rasen- es geht genauso um uns und unseren Verein. Wir sind ein Teil des Lebens, der Hoffnung und der Zukunft des FCs. Wir sind die Radikalen, die Besessenen, die Unverbesserlichen, diejenigen, die aus vollem Herzen lieben und hassen. Wir lieben die magischen Momente, in denen uns die braun-weiße Welt verzaubert. Die Momente purer Glückseligkeit, in denen einfach alles stimmt und die keine Droge der Welt ersetzen kann. So werden wir auch diese Saison angehen. Wir werden mit euch allen zusammen vorwärts gehen, denn wir können gemeinsam viel mehr schaffen, als wir uns vorstellen können. Wir laden euch ein auf diese Reise, auf der wir weiterhin die Wahrheit weit weg von jeder Konvention, jedem “Normalen” suchen werden. Wir werden weiter daran arbeiten, Gegensätze in Einklang zu bringen und wir werden neue Mauern finden, um sie einzureißen!

Auf geht es zu den Spielen gegen interessante Gegner! Mit viel Spaß, mit viel Fanatismus, mit positiver Energie, mit Kreativität und wenn es sein muss mit der nötigen Wut, Entschlossenheit und hoffentlich wenigen blutigen Nasen auf unserer Seite. Die Allermeisten wünschen sich einen harmonischen Start in die neue Saison und wollen in den kommenden Monaten weiter an der buntesten und lautesten Kurve bauen, die Sankt Pauli jemals hatte. Durchdrehen, Auswärtsfahren, aus der Rolle fallen – so kennen und lieben wir es. Klar ist jedoch auch, dass wir sehr kritisch beobachten werden, was um uns herum passiert und welche Rolle die Fans in den Köpfen derjenigen spielen, die diesen Club aktuell im Auftrag der Fans und Mitglieder steuern. Sie können sicher sein, dass keine Einschränkung unkommentiert und kein Angriff auf uns oder unseren Club unbeantwortet bleibt. Nicht wir sind ihre Angestellten, sie sind unsere. Wie stand es vor kurzem noch in der Südkurve und wurde auf Anweisung des Präsidiums zensiert: “Es gibt nur eins, das größer ist als die Liebe zur Freiheit unserer Kurve – unser Hass auf die, die uns diese Freiheit nehmen wollen!” Denn wir Fans sind die Ursache, dass das hier alles existiert und werden im Laufe dieser Saison sicher wieder viele Themen aufgreifen.

In dieser ersten Ausgabe findet ihr Spielberichte für die Partien gegen Bayern, Mainz, Ingolstadt, Frankfurt und Trier. Dazu einen Artikel zum Stand der Jolly Rouge-Kampagne, Berichte zu den Turnieren in München, Venedig und Babelsberg, bei denen St. PaulianerInnen zu Gast waren, Beiträge von USP Antirepressiva, einen Bericht zum Bemalen der Südkurve und der Reaktion des Vereins sowie viele andere Dinge. Über Feedback freuen wir uns!

Viel Spaß mit „Basch“! Viel Spaß in der Südkurve, viel Spaß mit uns, viel Spaß mit euch! Schließt euch zusammen, organisiert euch, werdet zu einem Teil der Ultras von Sankt Pauli! Lest dieses Heft regelmäßig und dreht durch für Braun-Weiß! Willkommen zum inoffiziellen Start der Saison 2011/2012. Ich freue mich auf die Abenteuer mit euch!

ULTRAS! SÜDKURVE!

ALWAYS LOOK AT THE RADICAL SIDE OF FAN CULTURE!

Anachronist


4 Antworten auf „Archiv: Basch #1 – Vorwort“


  1. 1 auswärtsstpauli 19. August 2011 um 11:47 Uhr

    danke, für den einblick in die kurve für leute aus ausserhalb von hh/st.pauli.

    wäre es auch möglich bei auswärtsspielen die basch zu erhalten?
    das diablos interview würde mich sehr interessieren!

  2. 2 Administrator 19. August 2011 um 15:59 Uhr

    es ist geplant die „basch“ auch beim jeweils folgenden auswärtsspiel zu verkaufen, so auch in bochum geschehen. auch in braunschweig werden verkäufer von uns vor ort sein.

  3. 3 Fragenderfriedlicherfan 29. August 2011 um 16:12 Uhr

    Was für „die Medien“ (welche Medien?) eine “Prü­gel-​Li­ga” ist, ist für euch also eine „interessante Fanszene“? Und blutige Nasen bei euch wollt ihr nicht, aber bei den Fans anderer Mannschaften wäre das schon ok?
    Wenn ihr jetzt noch ein Mal gegen „Repressalien“ seitens von Ordnungskräften oder Polizei stänkert, habt ihr euch endgültig zu Clowns degradiert.

    Dazu hat der Artikel derartige Längen, dass nicht zu übersehen ist, wie gerne ihr euch reden hört – egal wie redundant der Inhalt ist.
    Das macht mal wieder nicht gerade Bock auf die Ultras in meinem Verein.

  4. 4 Anachronist 30. August 2011 um 9:30 Uhr

    Hallo lieber Fragenderfriedlicherfan,

    deine eigene Wertung der verschiedenen Dinge bleibt dir natürlich völlig unbenommen, doch auch wenn sie sicher sehr spannende Perspektiven für eine Diskussion eröffnet, bietet sie keine Anknüpfpunkte für eine konkrete Antwort in diesem Rahmen, denke ich. Daher lasse ich sie einfach mal unkommentiert und beschränke mich auf die Beantwortung deiner konkreten Fragen. Ja, die zweite Liga ist dieses Jahr zweifelsohne mit interessanten Fanszenen besetzt, oder? Und ja, bei den sicher nicht ausbleiben Prügeleien ist es mir persönlich lieber, die blutigen Nasen finden sich nicht bei mir, sondern bei den Gegnern.

    Liebe Grüße!

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